Präklinische Ermittlung und Dokumentation des Patientenwillens

Austausch über ethische Fragen, die sich im Rahmen der COVID-19-Pandemie bei der Versorgung von Bewohnern in Pflegeheimen sowie bei Patienten in der ambulanten Versorgung ergeben.
Antworten
ALandkammer
Beiträge: 1
Registriert: Mi Mär 25, 2020 8:31 pm

Präklinische Ermittlung und Dokumentation des Patientenwillens

Beitrag von ALandkammer » Mi Mär 25, 2020 8:51 pm

Liebe Kolleg*innen,

eine wichtige Säule bei Therapie-Entscheidungen ist der Patientenwille. Eine Behandlung gegen den Willen des Patienten verstößt gegen das ethische Prinzip der Beachtung des Patientenwillens. Im Falle knapper Behandlungsressourcen gefährdet eine Nicht-Beachtung des Patientenwillens zudem das Überleben anderer Patienten.

Da in einer Akutsituation (lebensbedrohlicher Zustand ist bereits eingetreten) der Patientenwille häufig nur unzureichend ermittelt werden kann, wäre eine präklinisch ermittelte und dokumentierte Vorausverfügung hilfreich (insb. für Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19). Hierzu gibt es bereits gut etablierte Verfahren (Patientenverfügung, Advance Care Planning). Der Prozess zur Ermittlung und Dokumentation einer solchen Vorausverfügung ist aus gutem Grund zeitintensiv und erfordert teilweise die Einbeziehung des Hausarztes und / oder ausgebildeter Gesprächsbegleiter. Dieser aufwändige Prozess verhindert derzeit aber eine schnelle und möglichst flächendeckende Ermittlung und Dokumentation des Patientenwillens (insb. für Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19).

Wie könnte ein Verfahren aussehen, um - begrenzt auf den Fall eines schweren Verlaufs von COVID-19 - in kurzer Zeit den Willen von möglichst vielen älteren und vorerkrankten Menschen präklinisch zu ermitteln und zu dokumentieren (insb. in stationären Alten- und Pflegeeinrichtungen und für ambulant versorgte Menschen)? Macht ein solches "Schnellverfahren" überhaupt Sinn, oder wird die Abgrenzung zur ausführlichen Patientenverfügung bzw. ACP schwierig? Entstehen ethische Bedenken in der Umsetzung einer Vorausverfügung, die nicht auf einer ausführlichen Beratung beruht?

Ich freue mich auf Ihre Meinungen zu diesem Thema!

Andreas Landkammer

norba80
Beiträge: 2
Registriert: Mo Nov 23, 2020 11:38 am

Re: Präklinische Ermittlung und Dokumentation des Patientenwillens

Beitrag von norba80 » Mo Dez 07, 2020 9:50 am

ALandkammer hat geschrieben:
Mi Mär 25, 2020 8:51 pm
Liebe Kolleg*innen,
eine wichtige Säule bei Therapie-Entscheidungen ist der Patientenwille. Eine Behandlung gegen den Willen des Patienten verstößt gegen das ethische Prinzip der Beachtung des Patientenwillens. Im Falle knapper Behandlungsressourcen gefährdet eine Nicht-Beachtung des Patientenwillens zudem das Überleben anderer Patienten.
Andreas Landkammer
Kontroverses Thema. Ich bin eher Befürworter der aktiven Sterbehilfe und insofern auch eher dafür, dass Patienten so behandelt werden, wie sie es selbst erwarten würden. Leider gibt es dann aber auch wieder Fälle, wie diesen hier: https://www.doccheck.com/de/detail/arti ... ruptologen
Da kann man dann auch nur den Kopf schütteln.

Antworten